Adrenogenitales Syndrom (AGS) - Congenitale Adrenale Hyperplasie (CAH)
OMIM 201910
Klinik
Das Adrenogenitale Syndrom (AGS, synonym: Congenitale Adrenale Hyperplasie, CAH) umfasst eine Gruppe von Stoffwechselerkrankungen, die mit einem Cortisolmangel und einer gestörten Synthese der adrenalen Steroidhormone verbunden sind.
Das AGS kommt in unterschiedlichen Ausprägungen vor. Die klassische Form des AGS kann bei Mädchen bereits pränatal zur Virilisierung führen, postnatal kann zusätzlich eine für Neugeborene lebensbedrohliche Salzverlustkrise entstehen. Unbehandelt führt das klassische AGS durch den Überschuss an Androgenen bei Kindern beiderlei Geschlechts zu Symptomen wie frühzeitige Pubertät, Penis- und Klitorishypertrophie und beschleunigtem Knochenwachstum mit vorzeitigem Schluss der Wachstumsfugen und daraus resultierendem Kleinwuchs.
Die Symptome der nicht-klassischen Form des AGS (late-onset) sind deutlich milder ausgeprägt und werden meist nur bei weiblichen Mutationsträgern manifest. Das klinische Bild ist dabei variabel. Ein unbehandeltes AGS kann sowohl bei Frauen als auch bei Männern zu Fertilitätsproblemen führen.
Genetik
Das AGS folgt einem autosomal-rezessivem Erbgang. Über 90% der klassischen Formen des AGS liegt ein Defekt im Steroid-21-Hydoxylase-Gen (CYP21A2) zugrunde. Die Inzidenz der klassischen Formen des Steroid-21-Hydroxylase-Mangels beträgt etwa 1:12.000, für die nicht klassischen Formen wird sie mit 1:350 angegeben. Die Heterozygotenfrequenz in der deutschen Bevölkerung liegt bei etwa 1:50. Das CYP21A2-Gen ist auf Chromosom 6p21.3 lokalisiert und von einem inaktiven Pseudogen benachbart. Die häufigsten Mutationen, die zu einem Steroid-21-Hydroxylase-Mangel führen, resultieren aus Rekombinationen zwischen aktivem Gen und Pseudogen.
Indikation
- Klinischer Verdacht auf AGS
- Differentialdiagnostik bei Fertilitätsstörungen und Verdacht auf AGS
Untersuchungsmethodik
Mutationsanalyse im CYP21A2-Gen mittels PCR/DNA-Sequenzierung und MLPA
Material
2 ml EDTA-Blut, originalverschlossen
Für die Untersuchung genetisch bedingter Erkrankungen erfolgt eine Budgetbefreiung durch 32010. Bitte verwenden Sie die Überweisungsscheine 6 und 10.
Literatur
1. White PC und Speiser PW 2000, Congenital adrenal hyperplasia due to 21-hydroxylase deficiency. Endocrine Reviews 21:245-291.
2. Tusié-Luna MT and White PC 1995, Gene conversions and unequal crossovers between CYP21 (steroid 21-hydroxylase gene) and CYP21P involve different mechanisms.

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