Anti-Oxidantien-Status
Bei den unterschiedlichsten Prozessen der Oxidation von Substanzen im menschlichen Stoffwechsel entstehen äußerst aggressive Nebenprodukte, die sogenannten freien Radikale. Freie Radikale sind Moleküle oder ihre Bruchstücke und Atome, die auf ihrer äußeren Elektronenhülle ein ungepaartes Elektron aufweisen. Um Stabilität zu erreichen, gehen die Radikale Verbindungen mit anderen Molekülen ein. Dabei ziehen sie ein Elektron des anderen Moleküls auf ihre äußere Hülle oder geben das einzelne Hüllenelektron ab. Aufgrund dieser ausgeprägten Reaktionsfähigkeit wirken freie Radikale sehr aggressiv.
Überschüssige freie Radikale haben eine schädigende Wirkung auf das Erbgut und auf biologische Zellvorgänge. Sie entstehen auf verschiedene Weise:
- Sie sind Abfallprodukte, wenn die Mitochondrien der Körperzellen zur Energiegewinnung einen aeroben Stoffwechsel benutzen.
- Sie werden bei Entzündungen in den Makrophagen gebildet. Diese haben die Fähigkeit, die einverleibten Bakterien mit aggressiven Sauerstoffmolekülen zu zerstören. Dazu steigern sie ihren Sauerstoffumsatz auf das 100- bis 150fache, indem sie molekularen Sauerstoff aus dem Gewebe in Superoxid-Anionen umwandeln. Die Makrophagen selbst scheinen vor diesen freien Radikalen geschützt zu sein, weil sie viel Vitamin C enthalten. Es bindet die aktivierten Sauerstoffverbindungen wieder.
- Nicht nur Viren und Bakterien lösen eine Produktion von freien Radikalen aus, auch durch Agrargifte, Blei, Cadmium, Quecksilber, Nikotin und andere Drogen, Ozon, radioaktive und elektromagnetische Strahlung sowie einige Medikamente soll die Konzentration von freien Radikalen erhöht werden (Fremdstoff-Metabolisierung).
- Freie Radikale werden auch bei psychischem Stress vermehrt gebildet. Beim Abbau von Stresshormonen wie etwa Katecholaminen werden sie massiv freigesetzt.
Unter oxidativem Stress versteht man das Missverhältnis zwischen Bildung und Abbau dieser freien Radikale. Die Bildung von freien Radikalen wird u. a. mit dem Prozess des Alterns, der Entstehung von Krebs, der Entwicklung der Atherosklerose und der Entstehung der Alzheimer-Krankheit in Verbindung gebracht.
Die Zellen des Körpers verfügen über Abwehrmechanismen. Hierzu zählen anti-oxidativ wirkende Radikalfänger wie Vitamine oder Spurenelemente ebenso wie spezielle Enzymsysteme, die freie Radikale abbauen. Die schädigenden Wirkungen der freien Radikale werden begünstigt, wenn die anti-oxidativen Systeme überlastet sind. Dies kann insbesondere durch ausreichende Zufuhr von Vitaminen und Spurenelementen verhindert werden.
Diagnostik und Therapie
Eine Grundvoraussetzung für eine derartige Nahrungsergänzung bzw. für eine medikamentöse Therapie ist die möglichst genaue Charakterisierung sowohl der oxidativen Belastung mit freien Radikalen als auch der körpereigenen anti-oxidativen Systeme. Im vorliegenden Programm wurden hierfür folgende Parameter ausgewählt.
Parameter
Malondialdehyd (MDA): Hier wird die Belastung des Blutes mit freien Radikalen gemessen. Der Körper kann sich bis zu einem gewissen Grad durch eigene Schutzsysteme gegen freie Radikale wehren. Eine Überproduktion dieser äußerst aggressiven Substanzen führt jedoch durch Schädigung von Zellmembranen und Anhäufung von giftigen Substanzen zur Zellschädigung.
Anti-oxidative Gesamtkapazität: Hier wird das Spiegelbild der oxidativen Belastung untersucht, nämlich die Summe der anti-oxidativen Kräfte im Blut, also der körpereigenen Schutzsysteme. Bei oxidativem Stress und einem entsprechenden Überschuss an freien Radikalen sind die Anti-Oxidantien im Blut vermindert.
Glutathion-Peroxidase: Das selengebundene Enzym Glutathion-Peroxidase ist ein wichtiger endogener Faktor zur Entgiftung von Wasserstoffperoxid und zur Regeneration der Antioxidantien Ascorbinsäure und -Tocopherol. Es schützt vor Peroxidation der fettlöslichen Zellmembran. Ein Mangel verringert die Zellteilungsrate.
Selen kommt vor allem in den Eythrozyten vor. Zusammen mit Vitamin E schützt es biologische Membranen vor Lipidperoxidation. Dem Selen werden eine immunstimulierende und anti-entzündliche Wirkung zugeschrieben.
Zink ist ein für den Menschen wichtiges Spurenelement, das im Körper vielfältige Funktionen hat. Es stärkt das Immunsystem und ist ein äußerst aktiver Radikalfänger. Bei ausgewogener Ernährung ist ein Zinkmangel selten. Nahrungsmittel mit hohem Zinkgehalt sind vor allem Fisch, Fleisch, Wurst, Eier und Käse.
Vitamin E ist ein Sammelbegriff für acht miteinander verwandte Substanzen, die eines gemeinsam haben: sie schützen die wichtigen mehrfach ungesättigten Fettsäuren vor den freien Radikalen. Vitamin E, C und ß-Carotin arbeiten eng zusammen. Sie verstärken sich gegenseitig in ihrer Wirkung. Vitamin E ist besonders in pflanzlichen Fetten enthalten, beispielsweise in Ölen aus Sonnenblumenkernen oder Leinsamen.
Vitamin C: Zahlreiche Enzymsysteme sind abhängig von dem wasserlöslichen Vitamin C, das besonders für die extrazellulären Körperkompartimente von Bedeutung ist. Vitamin C sorgt u. a. für die Regeneration des Radikalfängers Vitamin E und hilft bei der Eliminierung von Radikalen.
Bewertung der Ergebnisse
Anhand der erstellten Laborwerte können Einblicke in die oxidative Stressbelastung gewonnen sowie gezielte Gegenmaßnahmen (z. B. Verhaltensänderung oder Zufuhr bestimmter Vitalstoffe und Nahrungs-ergänzungsmittel) empfohlen werden.
Material
5 ml Serum, tiefgefroren, lichtgeschützt
1 Monovette EDTA-Vollblut
1 ml EDTA-Plasma in speziellen Probenröhrchen für MDA (System anfordern)
Anamnese/Präanalytik
Siehe Material, sonst keine Besonderheiten.
Gesamtkosten: € 91,28 
|