Kolonkarzinom, erbliches nicht polypöses - HNPCC
OMIM 120435
Klinik / Genetik
Der erbliche, nicht-polypöse Dickdarmkrebs (HNPCC, hereditary non-polyposis colon cancer) ist eine autosomal-dominant vererbte Tumorerkrankung. Klinisch unterscheidet sich das HNPCC nur wenig vom sporadischen Kolorektalkarzinom. Charakteristisch sind neben der positiven Familienanamnese das frühe Erkrankungsalter (oft vor dem 50. Lebensjahr) sowie syn- und metachrone Zweittumoren des Dickdarms. In HNPCC-Familien treten gehäuft Karzinome des Endometriums, des oberen Gastrointestinaltraktes, des hepatobiliären Systems, des Urothels, der Ovarien, des Pankreas und der Haut auf.
80% der HNPCC-assoziierten Tumoren weisen Mutationen in den DNA-Reparaturgenen hMLH1 (MutL homolog of E.coli) und hMSH2 (MutS homolog of E.coli) auf. 250 verschiedene Mutationen wurden bislang nachgewiesen, jedoch sind keine „hot-spot“-Mutationen in der deutschen Bevölkerung bekannt, so dass eine Komplettsequenzierung beider Gene die sicherste Methode zur Auffindung einer Mutation ist.
Ein Defekt in einem der Reparaturgene reflektiert sich im Tumorgewebe in der Instabilität der sogenannten Mikrosatellitenmarker (Mikrosatelliteninstabilität, MSI), repetitiver Nukleotidsequenzen, die im gesamten Genom vorkommen und in allen Körperzellen eines Individuums eine charakteristische Anzahl von Motiv-Wiederholungen aufweisen. Im Tumorgewebe von HNPCC-Patienten lässt sich MSI mit ca. 80%iger Häufigkeit in fünf Loci nachweisen und kann als Vor- oder Paralleluntersuchung zur Mutationsanalyse eingesetzt werden.
Indikation
- Betroffene mit familiärem Auftreten von Kolorektal-Karzinom und HNPCC-assoziierten Karzinomen (Endometrium-, Dünndarm-, Ureter- und Nierenbeckenkarzinom)
- Analyse der genetischen Prädisposition von gesunden Ratsuchenden aus Risikofamilien
Molekulargenetische Diagnostik
- Mutationsanalyse in allen 19 Exons des MLH1-Gens und 16 Exons des MSH2-Gens mittels PCR / DNA-Sequenzierung bei der Erstuntersuchung in der Familie
- MLPA-Analyse in den MLH1- und MSH2-Genen zum Nachweis exonübergreifender Deletionen und Duplikationen
Die Untersuchung ist bei der DACH nach DIN EN ISO 15189 und DIN EN ISO/IEC 17025 akkreditiert
Material: 2 ml EDTA-Vollblut (kleines Röhrchen, originalverschlossen)
Kosten: Die Untersuchung unterliegt nicht der Budgetierung (Ausnahmeziffer 32010; Überweisungsschein 6)
Bearbeitungszeit: jeweils ca. 2 Wochen 
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