Laktose-Intoleranz (adulte Form)
OMIM 223100
Klinik / Genetik
Laktose-Intoleranz oder Laktasemangelsyndrom im Erwachsenenalter sind Begriffe für eine relativ häufige Form der Milchzucker-Unverträglichkeit, der in den meisten Fällen kein gesundheitlicher Defekt im eigentlichen Sinne zugrunde liegt: Bei Säugetieren einschließlich des größten Teils der menschlichen Bevölkerung erlischt mit Beendigung des Kindesalters die Fähigkeit zum Abbau des Milchzuckers Laktose in Galaktose und Glukose aufgrund der sich vermindernden Expression des Enzyms Laktase (Laktase-Phlorizin-Hydrolase; LPH) im Dünndarmepithel, man spricht von einer Laktase-Non-Persistenz (lactase non-persistence). Die Folge ist eine allmählich versiegende Laktose-Verdauungskapazität.
Die Persistenz der Laktase bis in das Erwachsenenalter findet sich zu einem hohen Prozentsatz bei den Bevölkerungsgruppen Nordwesteuropas (einschließlich der Nordeuropäer in den USA), insbesondere Schwedens, Dänemarks und Finnlands mit einer allmählichen prozentualen Abnahme der Enzymexpression in Richtung Südeuropa. Die meisten Bevölkerungsgruppen anderer Regionen der Erde weisen jedoch keine Persistenz der Laktase auf, eine Ausnahme bilden die in ihrer Ernährung von Milch abhängigen ursprünglichen Nomadenstämme auf allen Erdteilen. Man nimmt daher heute an, dass sich die Laktase-Persistenz vor etwa 10000 Jahren in Bevölkerungsgruppen entwickelt hat, deren Überleben von der Tierhaltung abhängig war und Milch zu einem wichtigen Nahrungsbestandteil auch der Erwachsenen wurde.
In Deutschland weisen ca. 75% aller Menschen eine Laktase-Persistenz auf, ca. 25% sind jedoch Laktase-non-persistent und vertragen Milchprodukte nur bedingt.
Die Laktose-Unverträglichkeit folgt einem rezessiven Erbgang und zeigt eine variabel ausgeprägte klinische Symptomatik. Das Laktase-Gen (LCT) ist auf dem langen Arm des Chromosom 2 (2q21) lokalisiert; jedoch hat man in diesem Gen keine Mutationen gefunden, die mit der adulten Form einer Laktose-Unverträglichkeit segregieren.
Umfangreiche Analysen der Polymorphismen (SNPs) in der Umgebung des Gens führten zum Nachweis eines spezifischen Haplotyps, der mit dem Persistieren der Laktase gekoppelt ist. Insbesondere zwei SNPs zeigen eine nahezu 100%ige Korrelation: Ein C/T-Polymorphismus in der Position -14kb (C/T-13910) und ein G/A-Polymorphismus in -22 kb (G/A-22018) zum LCT-Gen in Introngebieten des benachbarten MCM6-Gens (Enattah et al. 2002, Nature Genetics 30:233-237).
Das C-Allel des -14kb Polymorphismus sowie das G-Allel des -22kb Polymorphismus sind mit einer Laktase-Non-Persistenz und damit einer Laktose-Unverträglichkeit assoziiert.
In geringer Prozentzahl werden in der Fachliteratur auch Patienten mit Laktose-Unverträglichkeit trotz Laktase-Persistenz beschrieben, diskutiert werden seltene andere genetische und epigenetische Einflüsse auf die Expression, die Aktivität und die Stabilität der Laktase.
Indikation
- Klinischer Verdacht auf Laktose-Intoleranz
- Ausschluss einer Laktase-Non-Persistenz bei der DD von Darmerkrankungen unklarer Genese
Molekulargenetische Diagnostik
Nachweis von C/T-13910 und G/A-22018 mittels Multiplex-PCR mit allelspezifischer reverser Oligonukleotid-Hybridisierung (ASO)
Die Untersuchung ist bei der DACH nach DIN EN ISO 15189 und DIN EN ISO/IEC 17025 akkreditiert
Material: 2 ml EDTA-Vollblut (kleines Röhrchen, originalverschlossen)
Kosten: Die Untersuchung unterliegt nicht der Budgetierung (Ausnahmeziffer 32010; Überweisungsschein 6)
Bearbeitungszeit: ca. 1 Woche 
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