Marfan-Syndrom Typ 1 und 2
OMIM 154700
Klinik
Das Marfan-Syndrom beruht primär auf einer Störung der Kollagensynthese, die sich vorrangig auf das Skelettsystem, die Augen und das kardiovaskuläre System auswirkt. Charakteristisch sind v.a. Hochwuchs mit langen und schmalen Extremitäten, Arachnodaktylie, Überstreckbarkeit der Gelenke, Subluxation der Linse, Mitralklappenprolaps sowie Dissektionen und Aneurysmen großer Gefäße. Die Lebenserwartung der Patienten wird weitgehend von den Herz- und Gefäßschäden bestimmt.
Der Phänotyp weist eine hohe Variabilität auf und ist oftmals im Kindesalter nicht eindeutig ausgeprägt. Die diagnostische Sicherheit wird durch eine molekulargenetische Untersuchung gewährleistet, die eine eindeutige Abgrenzung von weiteren etwa 30 Syndromen mit marfanoidem Habitus ermöglicht.
Genetik
Es handelt sich um eine vorwiegend autosomal-dominant vererbte Erkrankung mit einer Häufigkeit von ca. 1:10000. Etwa 15% aller Fälle lassen sich auf Neumutationen zurückführen.
Das Marfan-Syndrom Typ 1 (MFS1) basiert auf genetischen Veränderungen in einem Bindegewebsprotein, dem Fibrillin-1 (FBN1; OMIM 134797). Das zugrundeliegende FBN1-Gen ist auf dem langen Arm des Chromosoms 15 (15q21) lokalisiert und enthält 65 Exons. Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind mehr als 400 verschiedene krankheitsverursachende Mutationen beschrieben. Diese sind über das gesamte Gen verteilt und können sowohl die Substitutionen einzelner oder mehrerer Aminosäuren als auch ein verkürztes Protein zur Folge haben. Häufig sind Mutationen in Cysteinresten der kalziumbindenden Domänen der epidermalen Wachstumsfaktor-ähnlichen Strukturen des Gens krankheitsverursachend.
Das Marfan-Syndrom Typ 2 (MFS2) ist mit Mutationen im TGF-beta-Rezeptor-Typ 2-Gen (TGFBR2; OMIM 190182) assoziiert. Das Gen enthält 7 Exons und ist auf dem Chromosom 3p24.1 lokalisiert.
Phänotypische Überlappungen sind weiterhin mit dem Loeys-Dietz-Syndrom möglich, das auf Mutationen im TGFBR1-Gen (OMIM 190181) beruht. Dieses Gen beinhaltet 9 Exons und befindet sich auf dem Chromosom 9q33.
Indikation
- Klinischer Verdacht auf Marfan-Syndrom
- Ausschluss eines Marfan-Syndroms bei Marfan-ähnlichen Symptomen
Molekulargenetische Diagnostik
- Mutationsanalyse aller 65 Exons des FBN1-Gens mittels PCR / DNA-Sequenzierung
- MLPA-Analyse im FBN1-Gen zum Nachweis exonübergreifender Deletionen und Duplikationen
- ggf. Mutationsanalyse aller 7 Exons des TGFBR2-Gens mittels PCR / DNA-Sequenzierung
- ggf. Mutationsanalyse aller 9 Exons des TGFBR1-Gens mittels PCR / DNA-Sequenzierung
- ggf. MLPA-Analyse zum Nachweis exonübergreifender Deletionen und Duplikationen in den TGFBR1- und TGFBR2-Genen
Die Untersuchung ist bei der DACH nach DIN EN ISO 15189 und DIN EN ISO/IEC 17025 akkreditiert
Material: 2 ml EDTA-Vollblut (kleines Röhrchen, originalverschlossen)
Kosten: Die Untersuchung unterliegt nicht der Budgetierung (Ausnahmeziffer 32010; Überweisungsschein 6)
Bearbeitungszeit: ca. 6 Wochen

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