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 Polyposis coli, adenomatöse attenuierte (MYH-Gen)

OMIM 604933

 

Klinik und Genetik

Das kolorektale Karzinom ist in der Bundesrepublik Deutschland eine der häufigsten Krebserkrankungen. Etwa 5-10% beruhen auf einer autosomal-dominant erblichen Krebsdisposition, wobei das HNPCC (Hereditäres nicht-polypöses Kolonkarzinom, Lynch-Syndrom) die häufigste Erkrankung darstellt, gefolgt von der FAP (Familiäre adenomatöse Polyposis). Neben Mutationen in Tumorsuppressorgenen, wie z. B. im APC-Gen bei FAP, zeichnen häufig Defekte in DNA-Reparaturgenen für die Entstehung der Tumorerkrankung verantwortlich, so z.B. Mutationen in den Mismatch-Reparaturgenen hMLH1 und hMSH2 bei HNPCC.

Seit kurzem wurde die diagnostische Relevanz eines weiteren, bereits 1996 erstmals beschriebenen Gens, das an der Entstehung kolorektaler Karzinome beteiligt ist, nachgewiesen. Es handelt sich um das Exzisions-Reparaturgen MYH, benannt so als „human homolog of E. coli mutY gene“.

Etwa ein Drittel aller Patienten mit >15 kolorektalen Adenomen trugen biallelische Mutationen im MYH-Gen. Gleichfalls wurde bei Patienten mit FAP, die keine Keimbahnmutation im APC-Gen aufwiesen, biallelische Mutationen im MYH-Gen nachgewiesen. Bei diesen FAP-Patienten überschritt die Zahl der Adenome niemals 1000; es werden jedoch zusätzliche extrakolonische Erkrankungen beschrieben.

Das MYH-Protein, eine Adenin-spezifische Glycosylase, repariert im Normalzustand Fehlpaarungen, die durch oxidative DNA-Schädigung entstanden sind. Auf diese Weise werden Adenin-Moleküle, die fälschlicherweise mit Guanin oder einem Guanin-Derivat gepaart sind, entfernt.

Das MYH-Gen ist auf dem kurzen Arm des Chromosoms 1, in der Region 1p34.3-p32.1, lokalisiert und besteht aus 16 Exons. Treten Keimbahnmutationen in beiden Allelen des Gens auf (biallelische Mutationen) sind somatische Mutationen im APC-Gen die Folge, bei denen es sich immer um G:C>T:A –Transversionen handelt.

 

Indikation

- attenuierte Polyposis

- klassische Polyposis coli ohne Keimbahnmutationen im APC-Gen

- kolorektale Tumoren, die einen rezessiven Erbgang vermuten lassen

- prädiktive Diagnostik bei Familienangehörigen (Nachweis der Mutationen bei einem Indexpatienten vorausgehend)

 

Molekulargenetische Diagnostik

PCR / DNA-Sequenzierung aller 16 Exons des MYH-Gens

Die Untersuchung ist bei der DACH nach DIN EN ISO 15189 und DIN EN ISO/IEC 17025 akkreditiert

 

Material: 2 ml EDTA-Vollblut (kleines Röhrchen, originalverschlossen)

Kosten: Die Untersuchung unterliegt nicht der Budgetierung (Ausnahmeziffer 32010;  Überweisungsschein 6)

Bearbeitungszeit: ca. 4 Wochen

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