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Schwierige Gerinnungsfälle?
Thrombophiliediagnostik


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 Information zur Thrombophiliediagnostik

Bisher wurde das Thrombophiliescreening mit den Parametern Protein C, Protein S, AT III, APC-Resistenz, Cardiolipin und Homocystein durchgeführt. Das sind zweifelsfrei die wichtigsten Parameter, nach neueren Erkenntnissen treten thrombogene Risikofaktoren jedoch in der folgenden Häufigkeit auf:

F V-Leiden (APC-Resistenz), Faktor VIII-Erhöhung: mehr als 1:100

Prothrombinmutation 20210 G ->A, MTHFR-Gen, Hyperhomocysteinämie, Lupus Antikoagulantien (Anti-Cardiolipin.-AK): 1:200 bis 1:500

Protein C-Mangel/ Protein S-Mangel: 1:1000

Antithrombin III-Mangel : < 1:10000

Protein C und Protein S werden Vitamin K-abhängig in der Leber synthetisiert, unter der Therapie mit oralen Antikoagulantien sollten diese nicht bestimmt werden. Die APC-Resistenz dagegen wird weder von Heparin (bis 1.0 U/ml) noch von oralen Antikoagulantien beeinflußt.

Lupus-Antikoagulantien können ebenfalls unter der Therapie mit oralen Antikoagulantien bestimmt werden (dies aber bitte angeben). Niedermolekulare Heparinen stören den Test ebenfalls nicht, bei therapeutischer Heparinisierung sollte dies unbedingt angegeben werden.

Weitere thrombogene Risikofaktoren sind: Erhöhung von F VIII (PA Kyrle et al., N Engl J Med 2000;343:457-62.) und erhöhte Spiegel des Gerinnungsfaktor IX und XI (JCM Meijers et al., N Engl J Med 2000; 342:696-701.) sowie erhöhte Prothrombinspiegel (Faktor II). Die erhöhten Prothrombinspiegel treten im Zusammenhang mit dem Vorliegen der o.g. Prothrombinmutation 20210 GA auf (SR Poort et al. Blood 1996;88:547-53.) auf. Dabei ist zu beachten, daß es für die Prothrombinmutation keinen Screeningtest gibt. Hohe Faktor II-Spiegel sind zwar ein Hinweis auf das Vorliegen der Mutation, einzige sichere Methode ist die Durchführung der molekularbiologischen Untersuchung (PCR).

Bei allen genannten Gerinnungsfaktoren gilt: Je höher die Konzentration des gemessenen Gerinnungsfaktors, desto höher das thrombogene Risiko. Die kritischen Grenzen sind:

Faktor VIII > 150 %

Faktor IX > 123 %

Faktor XI > 130 %

Faktor II > 115 %

Bei pathologischen Ergebnissen empfehlen wir die Verlaufskontrolle, da ein Teil der Gerinnungsfaktoren (i.w. F VIII) auch als Akute-Phase Proteine zu betrachten sind. Neuere Untersuchungen gehen allerdings davon aus, daß diejenigen Patienten, die in der akuten Phase einen hohen F VIII-Spiegel aufweisen, diesen lebenslang behalten.

Basierend auf den Untersuchungen, daß Faktor XI zur sekundären Thrombingenerierung beiträgt, bestehen enge Beziehungen zwischen dem Thromboserisiko und Faktor XI. Hier ist in den letzten Jahren viel Neues entdeckt worden, wir senden Ihnen gern weitere Informationen zu.

Es ist sinnvoll einmal und unter optimalen Bedingungen ein Thrombophiliescreening durchzuführen und dabei alle thrombogenen Risikofaktoren zu bestimmen, weil nach neuesten Erkenntnissen die Thrombose ein Multigendefekt ist. Je mehr thrombogene Risikofaktoren gleichzeitig vorliegen, desto höher ist die Thrombosegefahr. Dabei müssen sowohl hereditäre als auch erworbene Risikofaktoren (Übergewicht, Pille, Rauchen, Immobilisation usw.) in Betracht gezogen werden.

Einzusendende Materialien:

Homocystein: Kapillarröhrchen (speziell für Homocystein); oder

spezielles EDTA-Röhrchen

F V-Leiden, Prothrombinmutation: EDTA, unzentrifugiert

Restliche Parameter: Citratblut, Citratplasma

Es wird folgendes Vorgehen empfohlen:

Thrombophiliediagnostik anfordern:

- bei familiärer Thrombophilie, eigenanamnestisch nachgewiesener Thrombophilie Ausnahmekennziffer 3487

- bei Patienten unter oraler Antikogulation:  Ausnahmekennziffer 3491

Bitte Schein Nr. 10 und Schein Nr. 6 (Humangenetik, nicht budgetiert) einsenden.

Bei positiver APC-Resistenz im Gerinnungstest erfolgt die Bestimmung des F V-Leiden und der Prothrombinmutation. Bei negativer APC-Resistenz wird nur die Prothrombinmutation bestimmt, weil F V-Leiden dann ausgeschlossen ist.

In Abhängigkeit von der Diagnose empfiehlt sich zusätzlich die Bestimmung der Aktivierungsmarker (D-Dimer und/oder Prothrombinfragment F1+2 ). Daher sind wir dankbar, wenn Sie uns die Diagnose mitteilen. Steigen z.B. nach Absetzen der oralen Antikoagulation die Aktivierungsmarker wieder an, liegt ein erhöhtes Rezidivrisiko für thromboembolische Komplikationen vor.

Desweiteren gibt es meherere aktuelle Publikationen, in denen der D-Dimer als unabhängiger Risikofaktor bewertet wird. Je höher der D-Dimer, umso höher das Rezidivrisiko. Diesen Zusammen- hang erklärt man sich folgendermaßen:

Ein erhöhter D-Dimer könnte auf bisher unentdeckte thrombogene Risikofakrtoren hinweisen (auch Patienten mit bekanntem thrombogenem Defekt haben vermehrt erhöhte Werte für D-Dimer / Pro-thrombinfragment F1+2 ) oder ein erhöhter D-dimer könnte auch auf dem Boden einer noch bestehen- den Restthrombose entstehen (Zusammenhang Hämostaseologie/Entzündung).

Ein Zusammenhang zwischen Hämostase und Lipidstoffwechsel ist ebenfalls erwiesen. Als Kontrollparameter eigenet sich am besten Lp(a).

Das sind die etablierten thrombogenen Risikofaktoren, die Bestandteil des Screenings sein sollten.

Bei dringendem Verdacht einer Thrombophilie empfiehlt sich weiterhin die Bestimmung von:

• PAI (Plasminogen-Aktivator-Inhibitor)

• Heparin-Cofaktor II

• Prolaktin

• Plasminogen

 

Anfragen an : Dr. rer. nat. A. Siegemund, Gerinnungsanalytik, Tel. 0341- 6565 664

 

 

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